Feldberglauf und Kellerwald-MTB-Marathon – Läufer auf Abwegen

“Hin und wieder steigen Clemens und ich (Jakob) zum Ausgleich ja immer mal wieder aufs Rad – bis vor wenigen Wochen lag es uns aber fern, bei einem MTB-Rennen mitzumachen. Durch ein Plakat wurden wir dann aber auf den Kellerwald-Mountainbike-Marathon aufmerksam. Da das Laufen aktuell bei uns beiden nicht im Fokus steht, haben wir uns kurzentschlossen für die etwa 84km lange Strecke angemeldet.

In den Tagen vor dem Start kamen dann erste Zweifel hoch: Schaffen wir das – ist das nicht ein bisschen zu viel? Was müssen wir alles mitnehmen – Werkzeug, Essen, Trinken? Wie verhält man sich bei dem Rennen? All diese Fragen haben wir dann für uns irgendwie beantwortet und am Sonntagmorgen ging es pünktlich um 9h los. Eine kleine Einführungsrunde war schnell absolviert. Wir beide ganz hinten im großen Starterfeld- erstmal schauen, was so passiert… Nach wenigen Kilometern auf Asphalt – es sollten bis auf einige Straßenquerungen die letzten sein – geht es direkt in den ersten knackigen Anstieg hinauf zum Jeust. Nach 9km dann das, was wir beide wohl ein wenig befürchtet hatten: ein Defekt. Die Kurbel an Clemens Rad hängt plötzlich nicht mehr am Rad, sondern nur noch an seinem Schuh. Ruhig bleiben ist die Devise – unser Glück, dass wir uns für Werkzeug entschieden haben. Nach ein paar Minuten ist alles wieder an seinem Platz – die Frage, ob das für den restlichen Weg halten wird, bleibt aber offen. Nun sind wir wirklich die Allerletzten und können so unser Tempo hinauf zum ersten Gipfel fahren. Dabei zeigt sich schnell, dass uns die Bergauf- deutlich mehr als die Bergabstücke liegen. Oben angekommen haben wir schon wieder etliche andere Fahrer überholt und stürzen uns in den ersten Trail. Zu stürzen ist dann auch unsere größte Sorge, sodass wir auf den (für uns) extrem anspruchsvollen Bergabstrecken die wohl langsamsten Fahrer im ganzen Feld sind. So geht es dann auch bis zur ersten Verpflegungsstation weiter: lange gut zu fahrende Anstiege wechseln sich mit Bergabpassagen ab, die für uns bald anstrengender als die Anstiege sind. Teilweise wird es so matschig, dass wir die Räder lieber schieben als zu fahren. Die erste Verpflegungsstation nach etwa 30km kommt genau richtig, um Flüssigkeit und ein paar Kohlenhydrate zu uns zu nehmen. Der zweite Teil der Runde ist dann deutlich angenehmer: eher entspannte Trails und eine grandiose Landschaft lassen und das Fahren richtig genießen. Bei Zieldurchfahrt nach einer Runde sind wir uns einig, auch die zweite Runde in Angriff zu nehmen. Noch geht es uns ganz gut, Clemens Kurbel hält – was soll uns also aufhalten. Schon der erste lange Anstieg zeigt uns aber, dass die ersten knapp 50km ihre Spuren hinterlassen haben: Müde Beine, verkrampfte Muskeln in Rücken und Nacken und langsam aber sicher macht sich der Flüssigkeitsverlust bemerkbar. Von jetzt an heißt es beißen und ausblenden, dass noch über 30km vor uns liegen. Der Respekt vor den Bergabpassagen wächst, die Ermüdung ebenso – Clemens Sturz auf einem Matschstück also irgendwie vorhersehbar. Zum Glück passiert nichts weiter, sodass wir weiterfahren können. I

ch steige immer häufiger ab, um solche Stellen zu umgehen. Spätestens ab km60 fangen wir an, jeden Kilometer, den wir uns der Verpflegungsstation nähern, herunterzuzählen – jetzt rächt es sich, dass wir keine Flaschen mitgenommen haben. Endlich dort angekommen gönnen wir uns eine Pause mit literweise Flüssigkeit und massenweise Energieriegeln, die uns Kraft für das letzte Teilstück geben. Unsere Zuversicht, das Ziel zu erreichen, wächst mit jedem Meter – nur eine Defekt kann uns jetzt noch stoppen, denken wir. Anders als bei jedem Lauf fehlt uns die Kraft, zum Ende hin noch einmal Gas zu geben, sodass wir die letzten Trails mehr rollen als fahren – jede Unebenheit, jede Wurzel schüttelt den Körper durch, alles tut weh: Beine, Nacken, Rücken, Arme… Als wir nach gut 5:30h den Zielstrich überqueren, sind wir völlig kaputt und einfach nur froh, dass es vorbei ist. In der letzten Kurve holt Clemens sich noch einen Platten – aber auch das ist jetzt egal.

Für uns bleibt die Erkenntnis, dass Mountainbiken eine super Ergänzung zum Laufen ist, wir konditionell auch problemlos bei solchen Veranstaltungen mithalten können, fahrtechnisch aber sehr viel im Vergleich zu den anderen Fahrern fehlt. Dadurch werden die Trails, für den der Kellerwald-MTB-Marathon bekannt ist, zu einer größeren Herausforderung als die gut 2000 Höhenmeter, die wir zurückgelegt haben. So oder so war es aber eine völlig neue Erfahrung – wobei für uns ganz klar die positiven Erinnerungen überwiegen!”

Bereits eine Woche zuvor war Alexander Stöhr beim Feldberglauf am Start. Seine aktuellen Zeiten beim Intervalltraining sowie die die schwülwarmen Temperaturen ließen keine neue Bestleistung erwarten. Trotzdem gelang mit 57:26 über die 9,7 km und 580 hm zumindest eine solide Zeit, die zum 70. Platz von 271 Läufern (12. AK) reichte. Die Vorfreude auf die kommenden Berg- und Treppenläufe hielten sich zwar während des Laufs in Grenzen, kam aber kurz nach dem Zieleinlauf wieder zurück.

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