Seit nicht mal einem Jahr trainiert sie bei uns, der erste Start im blauen Trikot liegt nur gut ein halbes Jahr zurück – die Entwicklung, die Anna in der Zeit gemacht hat, hätte wohl niemand so erwartet. Die Krönung der Saison sollte jetzt mit der DM-Norm im Siebenkampf bei den Hessischen in Darmstadt folgen!
In der ersten Disziplin dann auch direkt ein Ausrufezeichen: 15,53 Sekunden über die Hürden in der einstigen Angstdisziplin – eine Steigerung in den letzten Monaten um deutlich mehr als eine Sekunde. Da hat Clemens in den letzten Monaten ganze Arbeit geleistet, und Anna legte in Darmstadt ein tolles Rennen hin. Der Hochsprung, die zweite Disziplin, war dann aber von vornherein mit Fragezeichen versehen: Zuletzt war der Hochsprung wegen Fußproblemen im Training sehr kurz gekommen, die letzten Wettkämpfe alles andere als erfolgreich verlaufen. Auf der Habenseite stehen hier am Ende 1,53 m – nicht das, was Anna sich erhofft hatte, angesichts der Umstände aber etwa das, was im Vorfeld das Ziel war.

Im Kugelstoßen sah es dann nach zwei Versuchen unter 9 m gar nicht gut aus – mit Wut im Bauch und aus dem Stand wuchtete Anna die Kugel im letzten Versuch auf 10,25 m. Mit Abstand die beste Kugelweite der Konkurrenz. Als letzte Disziplin des ersten Tages dann die 200 m – mit der Hoffnung auf eine neue Bestzeit. Leider klappte das nicht ganz, mit 27,18 Sekunden blieben weitere wertvolle Punkte auf der Bahn liegen. Dennoch: Nach dem ersten Tag zehn Punkte mehr als in Gelnhausen, die Bronzemedaille im zeitgleich ausgetragenen Vierkampf – und vor allem Optimismus für Tag zwei.
Dieser startete dann mit dem Weitsprung. Hier lief es zuletzt ganz gut, und es sollte in Richtung 5,30 m gehen. Im ersten Versuch dann aber leider wieder ein Problem, das Anna immer mal wieder hat: Der Anlauf passt nicht – beim Absprung verschenkt sie etliche Zentimeter. Da hilft alles: nach vorne gehen, kürzere Schritte machen, schneller anlaufen – wenn der Kopf nicht will, lässt sich nichts machen. So stehen am Ende frustrierende 4,80 m in der Ergebnisliste, und die Norm scheint vom Tisch.
Was dann folgt, macht den Mehrkampf aus: Ohne jede Erwartung geht es zum Speerwurf, und im ersten Versuch segelt der Speer auf eine deutliche neue Bestleistung von 32,40 m. Auch wenn es zuletzt nur zwei gezielte Einheiten waren, scheint das funktioniert zu haben – im zweiten Versuch folgen 32,55 m. Vor den abschließenden 800 m scheint die Norm zwar immer noch weit weg, aber Anna entscheidet sich, dem Ganzen einen Versuch zu geben und auf die nötige Zeit von 2:37 min anzulaufen. Bei Rennhälfte in 1:15 min sieht es gut aus, aber dann machen sich das Laktat, die Anstrengung der zwei Tage und das ständige Auf und Ab bemerkbar, und Anna kämpft sich langsamer werdend über die letzten 400 m. Am Ende sind es 2:42 min, die sie benötigt und ihr in der Endabrechnung 4243 Punkte bescheren.
Die Silbermedaille, die sie dafür bekommt, hat zwei Seiten: Auf der einen Seite tolle Leistungen – vor allem über die Hürden und im Speerwurf –, eine tolle kämpferische Leistung, die mit einer PB auf den 800 m belohnt wurde. Auf der anderen Seite ein Weitsprung weit unter ihren Möglichkeiten, der am Ende die DM-Norm gekostet hat. Aber: Als Anna zu uns gekommen ist, hat wohl weder sie noch haben wir an diese Norm geglaubt – und jetzt war es zweimal denkbar knapp! Nächstes Jahr ist Anna weiterhin in der U20 am Start – und dann klappt das auch mit den Deutschen Meisterschaften! (Text: Jakob)